BEE GEES Discografie

 

DIANA ROSS. EATEN ALIVE

 

September 1985

Die vierte Auftragsproduktion des Gespanns Gibb / Galuten / Richardson (in nur fünf Jahren) war möglicherweise auch deren am schwersten zu realisierende. Für Diana Ross zu arbeiten, besonders in einer Phase, da ihr Stern ganz leicht zu verblassen begann, sie vom Popstar zur schnöden Diva zu mutieren drohte, war sicher eine besondere Herausforderung. Dennoch schaffte man es, sie noch einmal zurück in die Charts zu bringen, verbunden mit einer visuellen Verjüngungskur!

Dabei machte das Album wirklich nicht das, was es eigentlich sollte, denn Diana Ross toppte nicht etwa die Charts in den USA, so wie es geplant war, sondern vielmehr in Europa und hier ganz besonders in England, wo ihre Fans förmlich Kopf standen. Die für diese Zeit typische Produktion in Sachen Soul, plus ein wenig "Gibb-Flair" ließ die Amerikaner merkwürdigerweise kalt. Das lag jedoch vor allem daran, dass die vorab veröffentlichte Single 'Eaten Alive' völlig floppte - eigentlich das Todesurteil für ein Album. Dabei hatte man extra Michael Jackson zusätzlich verpflichtet, den Song als Co-produzent zu betreuen, um so auf Nummer sicher zu gehen. Doch das Ergebnis war grauselig und hatte mit dem Rest des Albums kaum etwas zu tun!

Was das Album zumindest für den europäischen Markt dann doch noch rettete, war 'Chain Reaction', das vor allem in England die Charts aufmischte und sich dort an die Spitze setzte. Dieser herrliche Song im motown-stil (mit den herrlichen Background-Vocals von Barry Gibb), der im Video Diana Ross zurück in die 60er Jahre versetzte, war die Überraschung im Herbst 1985! Da MTV Amerika das Video jedoch als zu gewagt eingestuft hatte und somit nicht spielte, hatte der Song, und mit ihm natürlich auch das ganze Album, in den USA keine Chance mehr. Schade für die Amerikaner! In Europa dagegen startete das Album nun im zweiten Anlauf so richtig durch und erreichte überall sehr gute Platzierungen in den Top 20.

Auch auf diesem Album zeigt sich wieder einmal die Klasse, die die Brüder Gibb beim Songschreiben immer wieder unter Beweis stellen. Praktisch kein Durchhänger, sehr vielseitig und zum Teil sehr amüsant. Sympathisch auch, dass der Erfolg dann über einen einfach nur guten Song kam, nachdem die am Schreibtisch ausgeklügelte Strategie versagt hatte. Ein Punkt mindestens für die Brüder Gibb!

Möglicherweise waren es ja auch die Songs, die Diana Ross davon überzeugt hatten, erstmals in ihrer Karriere einem Produzenten ein komplettes Album anzuvertrauen. Das hatte es zuvor noch nie gegeben. Aber es hat sich gelohnt, zumindest künstlerisch!

Im Oktober 2006 hat Barry Gibb die Demos zu diesem Album über iTunes als Download veröffentlicht.


 
 
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